Ob wir an einem Blumenstrauß vorbeigehen, ein Kunstwerk betrachten, durch blühende Felder und Wiesen spazieren oder unterwegs Wildblumen entdecken, Blumen sind aus unserem Alltag kaum wegzudenken.
Sie prägen nicht nur das Erscheinungsbild unserer Wohnungen, sondern beeinflussen auch unsere Ernährung, Gemeinschaften und sogar unsere Stimmung. Umso besorgniserregender ist es, dass Studien zeigen: 30,8 % der 8.650 heimischen Farn- und Blütenpflanzen in Deutschland gelten als gefährdet.
Um zu verstehen, welche Rolle Blumen in unserem Alltag spielen, hat Euroflorist deutsche Erwachsene zu ihrer Einstellung gegenüber Wildblumen, Blumenfeldern und floraler Kunst in Museen befragt.
Angesichts des Rückgangs heimischer Pflanzen überrascht es kaum, dass 72 % der Deutschen besorgt über den Verlust von Wiesen und natürlichen Lebensräumen sind.
Wildblumen sind Pflanzen, die ursprünglich in Deutschland heimisch sind. Viele Blumen, die wir heute im Garten oder im Strauß sehen, haben ihren Ursprung in diesen Arten. Eine einzige Blumenwiese kann über 100 verschiedene Wildblumenarten beherbergen, die im Frühjahr ganze Landschaften in Farbe tauchen.
Doch:
- 68 % sind besorgt, dass Wildblumen in Deutschland aussterben könnten
- 67 % fürchten um die pflanzliche Biodiversität
- 66 % glauben, heute weniger Wildblumen zu sehen als noch vor zehn Jahren
- 70 % haben Angst, dass künftige Generationen diese Vielfalt nicht mehr erleben werden
Biodiversität bedeutet eine natürliche Vielfalt an Pflanzenarten. Sie schafft Lebensräume für Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten und damit stabile Mini-Ökosysteme, die für Umwelt und Landwirtschaft unverzichtbar sind.
Doch warum sind Wildblumen für Deutschland überhaupt so wichtig?
85 % der Befragten halten den Erhalt natürlicher Landschaften für wichtig, und 65 % besuchen gerne naturnahe Orte wie Gärten oder Blumenfelder.
Neben ihrer Schönheit haben Wildblumen entscheidende Funktionen:
- Sie ernähren Bestäuber und sichern unsere Lebensmittelversorgung
- Sie helfen, Überschwemmungen durch ihre Wurzelsysteme zu mindern
- Einige werden medizinisch genutzt, z. B. Fingerhut bei Herzerkrankungen
Auch emotional haben Blumen eine starke Wirkung:
- 69 % fühlen sich glücklicher, wenn sie Blumen sehen
- 65 % empfinden mehr Ruhe und Gelassenheit
- 82 % halten Gärten für wichtig für das Gemeinschaftsleben
Studien zeigen zudem, dass Blumen Stress, Depressionen und Angstzustände reduzieren und das allgemeine Wohlbefinden steigern können. Der Grund ist einfach: Farben, Düfte und Formen stimulieren unser Gehirn und fördern die Ausschüttung von Glückshormonen wie Dopamin, Serotonin und Oxytocin.
Diese emotionale Wirkung zeigt sich auch in der Kunst. In einer Befragung zu besonders emotionalen Kunstwerken wählten die Teilnehmenden berühmte Gemälde, von der Mona Lisa bis zu Van Goghs Sonnenblumen.
Vier der fünf emotionalsten Werke enthalten Blumen als zentrales Motiv oder Vordergrund. Euroflorist ließ diese Kunstwerke anschließend digital ohne Blumen darstellen. Mit überraschendem Ergebnis.
Carnation, Lily, Lily Rose von John Singer Sargent wurde von 27 % als emotionalstes Kunstwerk eingestuft. Das 1885-86 entstandene Gemälde zeigt zwei Kinder in einem Garten, umgeben von Rosen, Nelken und Lilien.
Ohne Blumen wirkt das Bild plötzlich leer. Ein eindrucksvoller Beweis für ihre Bedeutung.
Auf dem zweiten Platz landete Monets Seerosenteich: 26 % der Befragten gaben an, dass dieses Werk besonders emotional auf sie wirkt. Blumenmotive sind ein zentrales Element im Schaffen von Claude Monet, der immer wieder seinen eigenen Garten in Giverny, Frankreich, malte. Monets Blumenbilder sind heute unter anderem im Musée de l’Orangerie in Paris, im Museum of Modern Art (MoMA) in New York sowie in der National Gallery in London zu sehen.
Doch stellt man sich den Seerosenteich ohne all die blühenden Details vor, verliert das Kunstwerk einen großen Teil der emotionalen Wirkung, die wir mit ihm verbinden.
Das Gemälde „Die Eiche im Schnee“ des deutschen Künstlers Caspar David Friedrich belegte im Ranking den dritten Platz (23 % empfanden es als emotional besonders wirkungsvoll). Friedrich war ein deutscher Landschaftsmaler der Romantik, dessen Werke häufig eine starke emotionale Reaktion auf die Natur hervorrufen. Wenig überraschend ist es also, dass seine Kunst als bewegend wahrgenommen wird.
Eichen sind blühende Bäume. In einer Welt ohne Blumen verwandelt sich dieses Kunstwerk daher in eine karge, beinahe leblose Landschaft.
Ophelia von John Everett Millais wurde ebenfalls als besonders emotionales Kunstwerk gewählt: Über jede*r Fünfte (22 %) gab an, dass es sie oder ihn beim Betrachten stark berührt.
Das Gemälde entstand 1851-52 und zeigt die Shakespeare-Figur Ophelia aus Hamlet, wie sie in einem Fluss ertrinkt. Auch wenn der Blick zunächst direkt auf Ophelia fällt, gilt das Werk als eines der bekanntesten Blumenbilder überhaupt. Berühmt ist es für die detailreiche Darstellung der Pflanzenwelt am Flussufer sowie für die sorgfältig ausgewählten Blumen, die gemeinsam mit Ophelia auf dem Wasser treiben. Ganz im Sinne der viktorianischen Begeisterung für die Floriografie (die „Sprache der Blumen“) stehen die roten Mohnblumen im Bild für Schlaf und Tod. Ohne sie verliert das Gemälde einen wesentlichen Teil seiner ursprünglichen Wirkung.
Im Vergleich dazu schaffte es nur ein einziges Kunstwerk ohne Blumenmotiv in die Top fünf: Die Beständigkeit der Erinnerung von Salvador Dalí, das 15 % der Befragten als eindrucksvoll und emotional wahrnahmen.
Viele von uns träumen davon, die schönsten Orte mit Wildblumen oder berühmte Blumenfelder zu besuchen. Fast die Hälfte der Befragten (45 %) gab an, die Tulpenfelder im Keukenhof in den Niederlanden auf ihre persönliche Bucket List setzen zu wollen.
Gleichzeitig würden etwas mehr als ein Drittel (36 %) gerne nach Frankreich reisen, um Monets Garten in Giverny einmal mit eigenen Augen zu sehen.
Um zu zeigen, wie leer und trostlos diese Sehnsuchtsorte ohne ihre Blüten wirken würden, haben wir diese beliebten Reiseziele neu interpretiert, ganz ohne ihre ikonischen Blumen. Und eines ist klar: Ohne ihre Blütenpracht wären sie längst nicht mehr so begehrenswert.
Der Keukenhof wirkt ohne seine leuchtenden Tulpenfelder erstaunlich kahl und verliert einen Großteil seines Zaubers.
Auch Europas natürliche Landschaften spielen eine große Rolle: Ein Drittel der Befragten (35 %) gab an, die Ruta de Almendras en Flor in Spanien besuchen zu wollen. Zwischen Januar und März lassen sich entlang dieser beliebten Route auf den Kanarischen Inseln die Mandelblüten bewundern. Doch mit völlig kahlen Bäumen würde auch dieser Anblick deutlich an Reiz verlieren.
Auch Frankreich ist für seine ikonischen Lavendelfelder bekannt, die ein Drittel der Befragten (33 %) gerne einmal besuchen würde.
Zwar bietet die Landschaft auch ohne Blüten eine weite, offene Kulisse, doch ohne das violette Blütenmeer verliert sie einen großen Teil ihrer Farbigkeit und ihres Zaubers.
Zum Glück zeigen sich die Deutschen sehr engagiert: Auf die Frage gaben nur 5 % der Befragten an, nichts gegen den Verlust von Natur und Biodiversität in ihrer Region zu unternehmen.
Zu den häufigsten Maßnahmen zum Schutz der lokalen Natur zählen der Kauf regional angebauter Obst- und Gemüsesorten (57 %), der Einkauf saisonaler Produkte (54 %) sowie der Verzicht auf Pestizide im eigenen Garten (48 %).
Auch im eigenen Garten lässt sich viel bewirken, zum Beispiel durch das Anlegen eines Wildblumengartens. Tatsächlich geben 38 % der Deutschen an, bereits heimische Blumen, Bäume und Sträucher in ihrem Garten zu pflanzen, was ideal für lokale Wildblumenpopulationen ist. Weitere 44 % sagen, dass sie insektenfreundliche Pflanzen anbauen, um die Bestäubung zu unterstützen. 43 % befinden sich sogar schon auf dem Weg zu einem echten Wildblumengarten, da sie ihren Rasen vollständig natürlich wachsen lassen.
Auch die Unterstützung lokaler Naturschutzorganisationen (16 %) und ehrenamtliche Arbeit in Gemeinschaftsgärten (11 %) gehören laut deutschen Erwachsenen zu den beliebten Möglichkeiten, sich zu engagieren. Diese Optionen sind besonders geeignet, wenn man keinen eigenen Garten oder Schrebergarten besitzt.
Wenn du dich fragst, wie du selbst einen naturnahen Garten gestalten kannst: Es ist oft einfacher, als man denkt.
Du kannst entweder Wildblumen im gesamten Garten aussäen oder einen eigenen kleinen Wildblumenbereich anlegen. Eine Wildblumenwiese kann jede Größe haben. Auch mit wenig Platz lässt sich bereits viel bewirken.
1. Aufhören, den Rasen zu düngen
Der erste Schritt beim Anlegen einer Wildblumenwiese besteht darin, vollständig auf Dünger zu verzichten. Wildblumen bevorzugen nährstoffarme Böden. Daher solltest du den Rasen regelmäßig mähen, das Schnittgut entfernen und jegliche Düngung einstellen, um den Nährstoffgehalt des Bodens zu reduzieren und ihn auf die Wildblumen vorzubereiten.
2. Im Frühjahr nicht mehr mähen
Sobald der Frühling kommt, solltest du deinen Rasen möglichst in Ruhe lassen und beobachten, was von selbst wächst. Vielleicht entdeckst du bereits Wildblumen, die nur darauf warten, sich auszubreiten.
3. Heimische Pflanzen auswählen
Wähle eine Samenmischung, die zu deinem Gartenboden passt und in Deutschland heimisch ist. Zu den typischen Wiesenblumen gehören zum Beispiel blaue Kornblumen, Löwenzahn, Gänseblümchen und Schlüsselblumen.
Wann sollte man Wildblumen aussäen? Die meisten Samenmischungen können im frühen bis mittleren Frühjahr ausgesät werden. Beachte jedoch immer die Hinweise auf der jeweiligen Verpackung. Bei leichteren Böden ist auch eine Aussaat im Herbst möglich, allerdings zeigen sich die Blüten dann erst im folgenden Frühjahr. Bei schweren Böden, die im Winter zu Staunässe neigen, solltest du mit der Aussaat bis zum Frühjahr warten.
Vor der Aussaat entfernst du die Grasnarbe und die obere Bodenschicht. Anschließend kannst du die Samen aussäen. Mische etwas Sand unter das Saatgut, damit du besser sehen kannst, wo du bereits gesät hast, und eine gleichmäßige Verteilung erreichst. Streue die Samen über die Fläche und tritt oder walze sie anschließend leicht an, damit sie guten Bodenkontakt haben. Die Samen müssen nicht mit Erde bedeckt werden. Sie keimen problemlos an der Oberfläche.
4. Pflege deines naturnahen Gartens
Sobald sich eine stabile Wiese etabliert hat, kannst du dich im Sommer über ein wunderschönes Blütenbild freuen. Nach der Blüte erfolgt im Spätsommer der sogenannte „Heuschnitt“. Dabei werden Gräser und Blumen bodennah abgeschnitten, jedoch nicht mit einem herkömmlichen Rasenmäher zerkleinert.
Das Schnittgut lässt du etwa eine Woche liegen, damit die Samen ausfallen können. So stellst du sicher, dass im nächsten Jahr neue Blumen wachsen. Anschließend entfernst du das getrocknete Heu.
Alle in diesem Inhalt genannten Statistiken von Euroflorist stammen aus einer Studie mit 1.000 Erwachsenen (18+), die zwischen dem 25. November und dem 1. Dezember 2025 in Deutschland über 3Gem durchgeführt wurde.